Hyperscaler-Datenbank vs. Managed MariaDB in der Private Cloud

MariaDB ist die Standard-MySQL-kompatible Datenbank in den meisten Linux-Distributionen und bildet die Grundlage für Millionen von Web-Applikationen, SaaS-Plattformen und E-Commerce-Systemen. Wenn eine einzelne selbst verwaltete Instanz an ihre Grenzen stösst, stellt sich die Frage: Managed MySQL beim Hyperscaler, ein spezialisierter Datenbankanbieter oder ein Managed Service in der Private Cloud.

Dieser Vergleich zeigt sechs Optionen, die Schweizer Organisationen heute zur Verfügung stehen.

Schnellvergleich

AWS RDS Google Cloud SQL PlanetScale Aiven Selbst betrieben VSHN Managed
Datenspeicherort EU (Frankfurt, Zürich) EU (Zürich) USA, EU (AWS-Regionen) EU (verschiedene) Nach Wahl Nach Wahl (Schweizer Cloud oder On-Premises)
Gerichtsbarkeit USA (CLOUD Act) USA (CLOUD Act) USA Finnisches Unternehmen, US-Infrastruktur deine Gerichtsbarkeit Schweizer Unternehmen, Schweizer oder eigene Infrastruktur
Datensouveränität Eingeschränkt Eingeschränkt Eingeschränkt EU-Unternehmen, US-Infrastruktur Volle Kontrolle Vollständig: Schweizer Betrieb, deine Infrastruktur
Betriebsmodell Vollständig durch AWS verwaltet Vollständig durch Google verwaltet Serverless, verwaltet Vollständig durch Aiven verwaltet du verwaltest alles VSHN verwaltet, du kontrollierst die Infrastruktur
SLA 99,95 % (Multi-AZ) 99,95 % (regional) 99,999 % (Enterprise) 99,99 % (Premium) Keines (eigene Verantwortung) Bis zu 99,99 %
MySQL-Kompatibilität Vollständig (läuft mit MySQL oder MariaDB) Vollständig (läuft mit MySQL) Vitess-basiert, eingeschränkt Vollständig (läuft mit MySQL) Vollständig (natives MariaDB) Vollständig (natives MariaDB mit Galera Cluster)
Open Source Proprietäre Plattform Proprietäre Plattform Proprietär (Vitess-Fork) Proprietäre Plattform Vollständig Open Source Vollständig Open Source (MariaDB Galera Cluster)
Vendor Lock-in Hoch (AWS-Ökosystem) Hoch (GCP-Ökosystem) Hoch (proprietäres Branching, Vitess) Mittel (Multi-Cloud) Keines Keines: läuft auf jeder Infrastruktur
Einstiegspreis ca. USD 140/Monat (db.t3.medium, Multi-AZ) ca. USD 110/Monat (db-custom, regional HA) USD 29/Monat (Scaler, eingeschränkt) ca. USD 170/Monat (Business) USD 0 (Software) + Ops-Team CHF 80/Monat (Single), CHF 720/Monat (HA mit SLA)

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AWS RDS für MariaDB

Amazon RDS unterstützt sowohl MySQL- als auch MariaDB-Engines. Der Dienst übernimmt Provisionierung, Patching, Backups und Multi-AZ-Failover.

Stärken:

  • Bewährter Dienst, der MariaDB seit 2014 unterstützt
  • Region Zürich (eu-central-2) verfügbar
  • Automatisierte Backups mit Point-in-Time Recovery bis zu 35 Tage
  • Read Replicas für leseintensive Workloads
  • Tiefe Integration mit AWS-Diensten (Lambda, IAM, Secrets Manager)

Einschränkungen:

  • US-Gerichtsbarkeit. Amazon unterliegt dem CLOUD Act. Eine Zürcher Region ändert nichts am rechtlichen Risiko: US-Behörden können Datenzugang erzwingen.
  • Keine Schweizer Cloud oder On-Premises-Option. AWS RDS läuft ausschliesslich auf AWS-Infrastruktur, nicht auf Cloudscale, Exoscale oder dem eigenen Rechenzentrum.
  • AWS-Lock-in: VPC, IAM und Monitoring sind AWS-spezifisch. Ein Wechsel erfordert eine Neuarchitektur der Konnektivitätsschicht.
  • MariaDB-Versionsunterstützung hinkt den Upstream-Releases hinterher
  • Die Preisgestaltung kombiniert Instanzstunden, Storage, IOPS und Backup. Monatliche Kosten sind schwer vorherzusagen.

Am besten geeignet für: Teams, die bereits auf AWS setzen, die US-Gerichtsbarkeit akzeptieren und minimalen Einrichtungsaufwand wollen.

Unsere MariaDB-Souveränitätsanalyse bietet einen detaillierten Vergleich der rechtlichen Risiken.

Google Cloud SQL für MySQL

Cloud SQL betreibt MySQL (nicht direkt MariaDB), ist aber MySQL-wire-kompatibel. Die Region Zürich (europe-west6) hält Daten in der Schweiz.

Stärken:

  • Rechenzentrum Zürich mit sehr geringer Latenz zur Schweizer Infrastruktur
  • Automatisierte Backups, Failover und Wartung
  • Gute Integration mit Google Kubernetes Engine und Cloud Run
  • Übersichtlicheres Preismodell im Vergleich zu AWS

Einschränkungen:

  • Betreibt MySQL, nicht MariaDB. Wenn deine Applikation MariaDB-spezifische Funktionen nutzt (Galera Cluster, Aria Storage Engine, Sequence Tables, Oracle-Mode-Syntax), ist Cloud SQL kein direkter Ersatz.
  • Dieselbe US-Gerichtsbarkeit wie AWS. Google unterliegt dem CLOUD Act, unabhängig vom Datenstandort.
  • Keine Schweizer Cloud oder On-Premises-Option. Cloud SQL läuft ausschliesslich auf Google-Infrastruktur, nicht auf Cloudscale, Exoscale oder dem eigenen Rechenzentrum.
  • GCP-Lock-in: IAM, Netzwerk und Logging sind GCP-spezifisch
  • Major-Version-Upgrades erfordern Downtime
  • Kein Galera Clustering für Multi-Primary-Replikation

Am besten geeignet für: GCP-native Teams, die Standard-MySQL-Syntax ohne MariaDB-spezifische Funktionen nutzen.

Unsere MariaDB-Souveränitätsanalyse bietet einen detaillierten Vergleich der rechtlichen Risiken.

PlanetScale

PlanetScale ist eine serverlose, MySQL-kompatible Datenbank, die auf Vitess aufbaut, der ursprünglich bei YouTube entwickelten Sharding-Middleware, und bietet branch-basiertes Schema-Management und automatische Skalierung.

Stärken:

  • Branch-basierte Schema-Migrationen: Schemaänderungen vor dem Deployment in der Produktion testen
  • Automatische Skalierung ohne manuelle Kapazitätsplanung
  • Schnelle Query-Analyse und Insights-Dashboard
  • Gute Entwicklererfahrung für Applikationsteams

Einschränkungen:

  • Kein echtes MySQL oder MariaDB. PlanetScale betreibt Vitess, was Einschränkungen mit sich bringt: keine Fremdschlüssel (by Design), keine Stored Procedures, keine Trigger, eingeschränkte JOIN-Unterstützung über Shards hinweg. Applikationen, die diese Funktionen nutzen, können ohne Code-Anpassungen nicht migriert werden.
  • US-Unternehmen, US-gehostet. Keine Schweizer oder rein europäische Deployment-Option.
  • Enterprise-Tier erforderlich für dedizierte Ressourcen und SOC-2-Konformität
  • Keine Self-Hosted-Option, vollständig SaaS ohne Möglichkeit, auf eigener Infrastruktur zu betreiben
  • Preisgestaltung basiert auf gelesenen/geschriebenen Zeilen. Kosten sind bei schreibintensiven Workloads schwer vorherzusagen.

Am besten geeignet für: Startups, die neue Applikationen entwickeln, die innerhalb der Vitess-Einschränkungen funktionieren, und die keine Datenanforderungen haben.

Aiven für MySQL

Aiven betreibt verwaltetes MySQL auf AWS, GCP oder Azure in der gewünschten Region. Wie das PostgreSQL-Angebot bietet es eine Multi-Cloud-Abstraktionsschicht.

Stärken:

  • Europäisch ansässiges Unternehmen (Helsinki, Finnland)
  • Multi-Cloud-Deployment: derselbe Anbieter auf AWS, GCP oder Azure
  • Terraform-Provider für Infrastructure-as-Code-Management
  • Beinhaltet Connection Pooling und Query-Statistiken

Einschränkungen:

  • Betreibt MySQL, nicht MariaDB. Aivens MySQL-Service verwendet Oracle MySQL, nicht MariaDB. MariaDB-spezifische Funktionen stehen nicht zur Verfügung.
  • Deployment auf US-Hyperscaler-Infrastruktur auch in EU-Regionen: CLOUD-Act-Risiko bleibt durch den zugrundeliegenden Anbieter bestehen
  • Keine dedizierte Schweizer Region auf schweizerischer Infrastruktur
  • Keine Galera-Clustering-Option
  • Premium-Pricing-Tier für 99,99 % SLA erforderlich

Am besten geeignet für: Multi-Cloud-Teams, die MySQL als Service mit einer einzigen Management-Oberfläche wollen.

Selbst betriebenes MariaDB

MariaDB auf eigenen Servern oder Cloud-VMs zu betreiben gibt dir vollständige Kontrolle. Du wählst die Version, die Konfiguration und den Datenspeicherort.

Stärken:

  • Volle Kontrolle über Datenspeicherort, Konfiguration und Zugriff
  • Natives MariaDB mit allen Funktionen: Galera Cluster, Aria Engine, Oracle-Mode-Syntax
  • Keine Service-Gebühren über die Infrastrukturkosten hinaus
  • Kann auf Schweizer Cloud-Providern betrieben werden (Cloudscale, Exoscale)

Einschränkungen:

  • Der operative Aufwand ist real. Produktives MariaDB erfordert:
  • Backup-Automatisierung und regelmässige Wiederherstellungstests
  • Galera-Cluster-Einrichtung und Split-Brain-Prävention
  • Sicherheits-Patching einschliesslich Zero-Day-Reaktion
  • Monitoring für Replikations-Lag, Connection-Limits und Disk-Nutzung
  • Major-Version-Upgrades mit Applikationskompatibilitätstests
  • Performance-Tuning (Query Cache, InnoDB Buffer Pool, Thread Pool)
  • Ein Datenbankadministrator in der Schweiz kostet CHF 120'000-150'000/Jahr
  • Galera Cluster ist leistungsstark, aber operativ komplex. Node-Recovery, SST/IST-Transfers und Quorum-Management erfordern Fachwissen.
  • Teams ohne dedizierte DBA-Kapazität betreiben oft veraltete Versionen mit ungetesteten Backups.

Am besten geeignet für: Organisationen mit einem dedizierten Datenbankteam, das vollständige Anpassungsmöglichkeiten benötigt.

VSHN Managed MariaDB

VSHN betreibt deine MariaDB-Instanz auf der Infrastruktur deiner Wahl. Du erhältst natives MariaDB mit Galera Cluster für Hochverfügbarkeit, verwaltet von einem Schweizer Team unter Schweizer Recht.

Stärken:

  • Schweizer Unternehmen, Schweizer Recht: VSHN hat seinen Sitz in Zürich. Kein CLOUD-Act-Risiko durch die Betriebsschicht.
  • Natives MariaDB, nicht MySQL. Vollständige Kompatibilität mit MariaDB-spezifischen Funktionen: Galera Cluster, Aria Engine, Sequence Tables, Oracle-Mode-Syntax.
  • Deine Infrastruktur, deine Wahl: Cloudscale, Exoscale oder On-Premises
  • Galera Cluster mit 3-Node-Replikation für Hochverfügbarkeit und automatisches Failover
  • Automatisierte Backups über K8up mit konfigurierbarem Zeitplan und Aufbewahrungsdauer
  • Bis zu 99,99 % SLA mit Service Credits
  • Nach ISO 27001 zertifizierter Betrieb seit 2017
  • Self-Service-Provisionierung über Kubernetes API oder Servala

Preise:

Plan Single-Instanz Repliziert (HA, 3 Nodes)
Best Effort CHF 80/Monat CHF 240/Monat
Guaranteed Availability (99,99 % SLA) Nicht angeboten CHF 720/Monat

Diese Preise decken den betreuten Dienst ab. Computing-Ressourcen (CPU, Arbeitsspeicher, Storage) kommen dazu. VSHN beschafft sie und verrechnet sie weiter, du erhältst also eine Rechnung, ausser du bringst dein eigenes Cloud-Abo mit. Support ist über VSHN-Supportpläne verfügbar.

Am besten geeignet für: Schweizer Unternehmen, die eine MySQL-kompatible verwaltete Datenbank mit Datensouveränität, vorhersehbaren Kosten und ohne Vendor Lock-in benötigen.

MySQL-Kompatibilität ist entscheidend

Ein Detail, das in Datenbankvergleichen oft übersehen wird: Nicht alle "MySQL-kompatiblen" Dienste betreiben tatsächlich MySQL oder MariaDB.

Dienst Engine Fremdschlüssel Stored Procedures Galera Cluster MariaDB-spezifische Funktionen
AWS RDS MySQL oder MariaDB Ja Ja Nein Ja (wenn MariaDB-Engine gewählt)
Google Cloud SQL MySQL Ja Ja Nein Nein
PlanetScale Vitess Nein Nein Nein Nein
Aiven MySQL Ja Ja Nein Nein
Selbst betrieben MariaDB Ja Ja Ja Ja
VSHN Managed MariaDB Ja Ja Ja (3-Node Galera) Ja

Wenn deine Applikation Fremdschlüssel, Stored Procedures oder MariaDB-spezifische Funktionen nutzt, sind nur AWS RDS (mit MariaDB-Engine), selbst betriebenes MariaDB und VSHN Managed direkt einsetzbar.

Die Frage der Datensouveränität

Für Schweizer Unternehmen, die Datenschutzbestimmungen unterliegen, ist die Rechtsordnung des Dienstleisters ebenso wichtig wie der physische Datenspeicherort.

Dimension AWS RDS / Cloud SQL PlanetScale Aiven Selbst betrieben VSHN Managed
Rechtsordnung des Betreibers USA USA Finnland (EU) deine Wahl Schweiz
Rechtsordnung der Infrastruktur USA (auch in der Zürcher Region) USA USA (Hyperscaler) deine Wahl deine Wahl
CLOUD-Act-Risiko Ja Ja Ja (über Hyperscaler) Abhängig vom Anbieter Nein (Schweizer Betrieb + Schweizer Cloud-Option)
FINMA-kompatibel Erfordert zusätzliche Massnahmen Nein Erfordert zusätzliche Massnahmen Abhängig von der Umsetzung Ja, mit Schweizer Cloud-Infrastruktur

VSHN in Kombination mit Cloudscale oder Exoscale eliminiert das US-Gerichtsbarkeitsrisiko vollständig. Sowohl das Betriebsunternehmen als auch der Infrastrukturanbieter sind schweizerisch.

Eine detaillierte Souveränitätsanalyse findest du in unserer MariaDB-Souveränitätsbewertung.

Wann VSHN die richtige Wahl ist

VSHN Managed MariaDB passt, wenn:

  • deine Applikation native MariaDB-Funktionen benötigt (Galera Cluster, Aria, Oracle-Mode-Syntax), die MySQL-Dienste nicht unterstützen
  • Daten unter Schweizer Recht bleiben müssen, nicht nur in einem Schweizer Rechenzentrum, das von einem US-Unternehmen betrieben wird
  • du Hochverfügbarkeit mit Galera Clustering willst, ohne Node-Recovery und Quorum selbst zu verwalten
  • dein Entwicklungsteam sich auf Applikationsfunktionen konzentrieren soll, nicht auf Datenbankbetrieb
  • du vorhersehbare Monatskosten statt schwankender IOPS- oder Zeilenpreise benötigst

Nächste Schritte

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